Medienstation öffnet Fenster in die Vergangenheit
Einblick in die Kultur des Alten Ägyptens
Nicht das Ende, sondern der Übergang in ein neues, besseres ewiges Leben stellte der Tod für die Menschen des alten Ägyptens dar. Allerdings nur, wenn der Körper der oder des Toten unversehrt war. Aus diesem Grund perfektionierten sie die Mumifizierung – die Konservierung der Leichen für die Ewigkeit. Erkrankungen, Ernährung und andere Spuren des Alltags wurden dank dieser Technik über die Jahrtausende konserviert. Ein großer Schatz für die Wissenschaft, denn dank naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden können wir heute viel über das Leben dieser Menschen erfahren.
Vor etwa eineinhalbtausend Jahren wurde die „Mumie einer Frau mit Mumienporträt und Leichentuch“ bestattet. Zeitgleich wurde auch die Mumie eines Mannes im selben Felsenkammergrab in Sakkara bestattet und in ein ebenso prachtvoll bemaltes Leinentuch gehüllt. Auch nach ihrer „Entdeckung“ und dem Ankauf für „drey Piaster“ durch einen Italiener, der sich 1615 auf Pilgereise durch den Orient befand, blieben beide Mumien bis zum heutigen Tag unzertrennlich.
Ihr Weg vom Nil an die Elbe – seit ca. 300 Jahren sind sie in Dresden – ist reich an Geschichten. 1912 bereicherte der Ankauf einer weiteren Frauenmumie aus Hawara die Dresdener Skulpturensammlung.



Interaktiv verschiedene Themen vermitteln
Bereits in der Vergangenheit setzten wir gemeinsam mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden spannende interaktive Vermittlungsprojekte um. Auch für die drei ägyptischen Mumien planten die Kurator:innen der Skulpturensammlung eine solche interaktive Wissensvermittlung. Vor allem computertomographische Aufnahmen bildeten die Basis, die umfangreichen Forschungsergebnisse einer großen Öffentlichkeit verfügbar zu machen.
Die Kurator:innen wünschten sich drei thematische Vertiefungsebenen. Besuchende schlüpfen spielend in immer neue Rollen und gewinnen so stets andere Perspektiven auf die antiken Exponate. Als Anthropolog:in oder Mediziner:in können Gäste naturwissenschaftliche Untersuchungen analysieren oder als Ägyptolog:in die Bildsprache der Mumienumwicklung enträtseln. Um gleich darauf als Historiker:in die Wanderjahre der Mumien – vom Nil an die Elbe – zu begleiten.
Ergänzend finden sich Hintergrundinformationen zur Jenseitsvorstellung des alten Ägyptens und spannende Details über den Fundort oder die Restaurierung der Mumien. Es war uns ein wichtiges Anliegen, Besuchende nicht nur als passive Rezipient:innen zu verstehen. Die Medienstation schafft ein interaktives Vermittlungsangebot, die Nutzer:innen suchen sich selbst ihr Wissen zusammen.



Interaktive 3D-Modelle lüften die Geheimnisse der Mumien
Externe Wissenschaftler:innen und Expert:innen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben die drei Mumien mittels bildgebender Verfahren detailliert untersucht. Diese Daten erlauben nun einen bisher verborgenen Blick ins Innere. Dreht man die Mumie, wird Schicht um Schicht entblättert. Hotspots überlagern die Animation, wie Puzzleteile konstruiert sich so ein neues Bild – Spuren der Geschichte. Ebenso Geschlecht, Alter, Krankheiten und mögliche Todesursachen lassen sich aus den erkundeten Details ablesen.
Die Basis für dieses Modell bildeten zum einen Videos von computertomographischen Daten, das in Einzelbilder zerlegt und wieder neu zusammengesetzt wurde – 885 Bilder pro Mumie. Für die äußere Hülle fehlte allerdings eine passende Datengrundlage. Mittels des Open-Source Photogrammmetrie Frameworks Meshroom wurde in wenigen Stunden unsere digitale Replik berechnet. Für ein passfähiges Modell bedurfte es noch der Nachbearbeitung in der Anwendung Blender.
Der Fluss der Zeit: Die Wanderjahre der Dresdner Mumien
Das Bild des Flusses für die bewegte Geschichte der antiken Exponate schien uns sehr passend. Mit ihrem irdischen Ende begann diese Reise für die drei Mumien – vom Nil an die Elbe. Im Strom der Zeit finden sich auch Besuchende wieder, wenn sie gemeinsam mit den Mumien auf Wanderschaft gehen. Dafür haben wir die Flusslinien dynamisch mit einer Physik-Engine berechnet und in verschiedenen Iterationsstufen optimiert.
Die Nutzer:innen können sich von diesem Fluss treiben lassen und nach Belieben die Wegpunkte der Mumien erkunden. Diese Wegpunkte werden von den Kieselsteinen repräsentiert, die von den Flusslinien umspült werden.

Wissenswertes über die Mumien: Das Wissensnetz
Für den ganzheitlichen Blick auf das Thema Mumien entwickelten wir gemeinsam mit dem Museumsteam ein visuelles Wissensnetz. Herstellen – begraben – ausgraben – erforschen von Mumien sind die zentralen Themen. Aktiviert man einen dieser Schwerpunkte, verorten sich die zuvor ungeordneten Informationspunkte innerhalb der Visualisierung. Manche werden zu Unterthemen, andere bleiben abstrakte Informationseinheiten eines der drei anderen Themenfelder.
Zusätzlich werden sowohl innere Abhängigkeiten eines Themas als auch themenübergreifende Querverweise sichtbar. Die subtile Dynamik des Netzes macht Spaß! Wie bereits bei den Wanderjahren beruht diese auf einer physikalischen Simulation – alle Elemente des Netzes werden dynamisch berechnet. Das richtige Maß innerhalb dieses Kräftespiels zu finden, bedurfte Fingerspitzengefühl.


